Dr.Reinhard Falter
Naturphilosophische Praxis, Vorträge, Kunstführungen, Exkursionen in der Natur







Naturphilosophische Praxis

Lange vor den Psychologen waren es Philosophen, die sich als Gesprächspartner anboten. Von Psychologen und Psychotherapeuten unterscheidet, daß nicht eine "Symptomatik" des Klienten zugrundegelegt wird. Anders auch als die meisten anderen philosophischen Praktiker ist die Art der Gesprächsführung, die das Institut für naturphilosophische Praxis anbietet, nicht "sokratisch" -Sokrates meinte, die Bäume und Felder wollten ihn nichts lehren - es schließt die Natur um und in uns ein und stellt die Frage nach einem geglückten, einem erfüllten Leben. Es findet auch nicht in einer Praxis (geschlossener Raum) statt.

Die Naturphänomene gehen uns unmittelbar an und somit haben wir einen inneren Bezug zu ihnen. Diesen Bezug erfahren wir, obwohl er heutzutage weitgehend unreflektiert und unverstanden bleibt. Das war nicht immer so. In der Antike wurden Naturphänomene als lebendige Wesenheiten wahrgenommen, und als solche lassen sie sich immer noch erfahren, obwohl bei dieser Erfahrung uns unser Vorurteil behindert, es handle sich nur um mythologische Vorstellungen. Meine Abhandlung stellt den Versuch dar, ein Naturverständnis zu erarbeiten, das den Naturphänomenen gerecht werden kann, und auch zu zeigen, dass dieses Verständnis in einem lebendigen Umgang mit der Natur, durch naturphilosophische Praxis, geschult werden kann.

Meine Methode kann (im weiten Sinne) phänomenologisch genannt werden. Sie beruht auf einem offenen Nachdenken über die Naturphänomene, wie sie durch naturphilosophische Praxis erfahren werden können. Ausgangspunkt meiner Arbeit ist also praktische Naturerfahrung, die nicht nur Folgen für das Naturverständnis zeitigt, sondern auch Konsequenzen für unseren Umgang mit ihr, für ökologische Bemühungen hat. Ich gehe von einer Praxis aus, von einer Erfahrung, der ein kritisches Potenzial zukommt. Da diese Vorgehensweise sehr zum Forschungsansatz des Zentrums für praktisches Wissen der Universität Nordland passt, ist es mir ein Anliegen, meine Abhandlung, inzwischen als Buch publiziert, hier einzureichen und zu beantragen, dass sie als Doktor Philos-Abhandlung anerkannt wird. Dadurch erhoffe ich mir in der Zukunft einen verstärkten gedanklichen Austausch und eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Fachkräften des Zentrums.

Meine Arbeit ist also ein Versuch zu klären, wie eine Naturerkenntnis zu gewinnen ist, die die Naturphänomene ("Naturen") als wesenhaft erfasst und aus solcher Erkenntnis mit ihnen umgeht. Das bedeutet zu reflektieren, welche Betrachtungsart überhaupt das mit "Natur" Gemeinte in den Blick bekommen kann, unabhängig davon, ob sie im reduktionistischen, oder auch im dazu lediglich komplementären geisteswissenschaftlich-hermeneutischen Verständnis als "wissenschaftlich" gilt. Das bedeutet auch, es soll Ernst gemacht werden mit dem Anspruch, dass Philosophie untersuchen muss, "was dem, was erkannt wird, im Prozess der Gegenstandsformation geschieht". Methoden müssen gesucht werden, die Natur als das erscheinen lassen, was sie ist, auch wenn es sich dabei um Wissenstypen neben und auch in Konkurrenz zur Wissenschaft handeln sollte.

Es geht bei naturphilosophischer Praxis zunächst darum, nicht im "Gegenstand" zu verbleiben, sondern eine Erfahrung zu machen, die nicht subjektiver Niederschlag eines objektiv Gegebenen ist, sondern in der sich der Gegenstand selbst in seinem Wesen zeigt (verflüssigt). Sich vom Gegenstand "betreffen zu lassen" ist weder nur psychologisch noch nur heuristisch gedacht.

In der Natur erfahre ich die selben Prozesse, die sich in mir leiblich und seelisch abspielen als draußen und "objektiv" mir gegenüber stehend. Ich kann damit meine Psyche als Seelenlandschaft auslegen, aber auch die Landschaft als Konstellation von Qualitäten und Atmosphären, die ich am eigenen Leib erfahren habe. Die Selbstauslegung in Bildern der Natur bedarf der genauen Beobachtung möglichst unverfälschter Natur. Und das Verstehen des Qualitativen in der Natur bedarf der Ausbildung seelischer Kategorien. Wird die Naturbeobachtung vernachlässigt, so kommt es leicht zu Projektionen. Wirkliche Transzendenz dagegen identifiziert nie das Ego mit dem Ganzen, sondern weiß, dass es um einen Modus von Teilhabe geht. Das Außen in dieser Beziehung ist nicht im abwertenden Normalsinn "äußerlich". Es hat mir etwas zu sagen, aber es geht nicht in der Botschaft auf, es drückt sich aus, nicht etwas für mich. Der Geschehenssinn hat nicht mich als Zentrum.

Natur bedeutet etwas für uns, aber sie geht in dieser Bedeutung nicht auf. Ihr Ausdruck ist nicht auf mich gerichtet und auch nicht zwangsläufig auf die Menschheit. Die Betrachtungen sind nicht solche von Gegenüber-, sondern von Mit-Sein oder Eingelassensein. Ich habe dafür den Terminus "Bedeutungswissen", im Unterschied zu Kausalwissen, eingeführt (Natur neu denken, 62 ff.)

Beobachtungen in der Natur werden im Bedeutungswissen nicht auf ihre kausalen Verknüpfungen, sondern ihre Bedeutung, ihren "Geschehenssinn" hin befragt. Kausalwissen bezieht sich auf Dinge, Bedeutungswissen auf Qualitäten, Charaktere oder "Atmosphären". In diesen ist der Beobachter immer schon involviert, sie können grundsätzlich nicht von außen erkannt werden. Geprägt durch die Denkweise des Reduktionismus halten wir das allzu leicht für subjektiv oder unwissenschaftlich, wir sollten uns aber darüber klar sein, dass das sog. "naturwissenschaftliche" Wissen von Dingen immer nur ein Grenzfall des Wissens von Wirklichkeit ist.

Diese Natur, dieser Fluss, dieser Wind sind nicht kontingente Gegebenheiten, sie haben neben einer zwingenden oder überwindbaren physischen Macht einen weisenden "Geschehenssinn", der natürlich auch missachtet werden kann, aber damit schaden wir uns nur selbst. Es geht also nicht nur um die Fähigkeit, Änderbares vom Nichtänderbaren zu unterscheiden, sondern auch um die Weisheit, nicht immer an die Grenze des Änderbaren zu gehen, sondern seinen Sinn zu verstehen.

In einem telefonischen Vorgespräch vereinbaren wir den passendsten Ort (Grundarchetypen in der Natur wie Wald, Fluß, Berg, Quelle, Hügelgrab, ...) und die Zeit. Die Zeiteinheiten sind halbe Tage. Das Richthonorar beträgt 120 Euro